Die traditionelle Landnutzung

 


 
Naturraum

Lebensweise

Seit über 100 Jahren haben die rumänisch-stämmigen "Motzen" den Wald gerodet und Siedlungen gegründet. Ausgehend von Siedlungen in den Tälern betrieben sie während des Sommers eine Beweidung des angrenzenden Berglandes in etwa 1000 m Meereshöhe. Sie gründeten dort almartige Sommersiedlungen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden diese Sommersiedlungen zu Dauersiedlungen mit Wiesen- und Ackernutzung. Typisch sind Streusiedlungen aus 25 bis 150 kleinbäuerlichen Betrieben, mit 1 bis 3 Hektar Wiesen und Weisen, kleinen Äckern und Gärten. Die Gehöfte bestehen aus einer Vielzahl verschiedener Einzelgebäude mit jeweils spezifischer Funktion. Die Häuser werden auf einem Steinfundament in Blockbauweise errichtet. Noch heute finden sich mit Fichtenreisig gedeckte Ställe und Scheunen
Die Wasserversorgung basiert auf lokalen Brunnen und Quellen. Das Brauchwasser wird aus Dachablaufzisternen gewonnen, das Trinkwasser aus oftmals weit entfernten Quellen in Kanistern geholt. Ein System der Kalanisation oder Abwasserreinigung fehlt völlig.


Handwerk und Handel

Subsistenzwirtschaft mit einer innerbetrieblichen Verzahnung von Handwerk, Land- und Forstwirtschaft ist die Lebensgrundlage der Bevölkerung. Holzprodukte wie Bretter, Balken, Bottiche unterschiedlicher Größe, Rechen oder Heugabeln werden von der handwerklich geschickten Bevölkerung schon immer hergestellt. Bemerkenswert ist vor allem die herbstliche Fahrt der Männer mit dem Pferdewagen ins Tiefland. Auf ihrer mehrwöchigen Reise verkaufen sie ihre Holzprodukte, insbesondere Bottiche aus Fichtenholz. Mit dem Geld kaufen sie Getreide und Mais und kehren mit dem Mehl ins Dorf zurück. Aufgrund der Einkommensituation und der schlechten, ist das Pferdefuhrwerk bis heute das gängige Vehrkehrmittel vor Ort.
Im Winter werden von den Frauen Schafwolldecken gewebt. Brot wird in einem kleinen Backhäuschen, das zu jedem Haus gehört, gebacken. Aus der Kuhmilch wird gesalzener Käse hergestellt. Das Vieh wird teilweise verkauft, teilweise selbst geschlachtet. Zu jedem Hof gehört ein Räucherhäuschen, in dem Schinken und Speck geräuchert und aufbewahrt werden.


Landwirtschaft

Lebensgrundlage ist die Viehhaltung. Jede Familie besitzt 1 bis 2 Kühe und deren Kälber, ein bis zwei Pferde, einige Schweine, Hühner, einen Hund und Katzen. Der Großteil der Tiere befindet sich während des Sommers auf der Hochweide. Die anfallende Milch wird zu Käse verarbeit. Die Molke dient zusammen mit den Pferdeäpfeln der Schweinemast. Zwischen Mitte Mai und Mitte Juli halten sich etwa 3/4 der Tiere und die Hälfte der Bevölkerung auf der hochmontanen Hochweide auf, um die tieferliegen Wiesen für die Heugewinnung zu schonen.
Wiesen dienen in erster Linie der Heugewinnung für die Winterfütterung des Viehs. Reine Mahdflächen stellen eher die Ausnahme dar. Magerrasen und aufgelichtete Wälder werden beweidet. Nach der Wiesenmahd kehrt das Vieh von der Hochweide zurück und es findet eine Nachweide statt. Die gemischten Herden werden zumeist von älteren Frauen oder Kindern täglich gehütet. Die Magerrasen und Hudewälder werden regelmäßig aufgesucht, dabei ist der Verbißdruck enorm. Streit um Weideflächen ist häufig. Auch die Futterressourcen entlang der Wege und in den Waldlichtungen werden durch Beweidung systematisch genutzt. Durchziehende Herden werden mißtrauisch beäugt und müssen weitergetrieben werden, wenn die Tiere die Wegrandvegetation abfressen. Abendlich werden die Tiere in den Stall zurückgetriebn, die Kühe dort gemolken.

Ackerbau war bis Ende des 19. Jahrhunderts trotz des ungünstigen Gebirgsklimas weiter verbreitet. Heute ist dieser auf wenige kleine, zumeist eingezäunte Äckerchen beschränkt. Auf kleinen, hofnahen Terassenäckern werden Kartoffeln, seltener Hafer und Roggen für den Eigenbedarf angebaut. Vor der Bestellung im Mai wird der Stallmist zur Düngung ausgebracht. Traditionell wird Feld-Gras-Wirtschaft betrieben. Nach mehreren Jahren der Nutzung werden an anderer Stelle neue Äcker angelegt, die bisher genutzten Parzellen fallen brach. In Hausnähe befinden sich in der Regel kleine, eingezäunte Gärten, in denen Lauch, Zwiebeln, Weißkohl, Salat und eine Vielzahl weiterer Arten angebaut werden. Nahezu jedes Haus besitzt einen kleinen Zwetschgen-Hain.


Waldwirtschaft

Dorfnahe Bäume und Wälder dienen der ärmeren Bevölkerung zur Schneitelung und Laubheugewinnung als Ergänzung der winterlichen Heufütterung. Bis in etwa 800 m NN werden Eschen um die Höfe herum kultiviert und noch gelegentlich zur Laubheugewinnung genutzt. Bis vor etwa 30 Jahren wurden auch Buchen als Kopfbäume geschneitelt, im Montanbereich werden bis heute Fichten geschneitelt. Fichtenzweige werden im Winter dem Heu beigemiscbht und an die Pferde und Kühe verfüttert Ältere Fichten werden trotz Verbots bis heute zur Harzgewinnung genutzt.
Die Wälder Rumäniens haben die Funktion der Holzproduktion und des Schutzes von Arten, Biozönosen oder Ressourcen zu erfüllen. In vielen Gebieten stehen die Einkünfte aus der Ernte von Beeren, Pilzen oder der Jagd an erster Stelle. Die Staatswälder werden durch Forstämter und Revierförstereien verwaltet. Die Forsteinrichtung wird im 10-jährigen Turnus durchgeführt (Festlegung von Pflegemaßnahmen, Hiebsatz). Für die Forstpraxis haben die Forstämter Karten der Waldstandorte, der aktuellen Baumartenzusammensetzungen, Altersklassen und Forstplanung zur Verfügung. Während der Ceausescu-Zeit sorgten strenge Strafen für einen relativ guten Schutz der Wälder. Heute ist eine zunehmende Zahl teils illegaler, teils geduldeter Nutzungen festzustellen. Die meisten Wälder sind demnach durch ungeregelte Plenterungen, Kahlschläge und Waldweide geprägt, urwadlartige Bestände finden sich nur noch an wenigen Stellen.

 

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